Afghanistan Part III: Back in the Joy-Zone

Alexander am 20. Dezember 2007 um 10:34

Schon das Wochenende haette nicht reicher an Kontrast sein koennen: ein brasilianischer Capoeira-Workshop am Vorabend des Abfluges zum Planeten der Affen, auf dem wieder neue Ueberraschungen im Reich des Homo Sapiens Afghaniensis auf mich warten wuerden. Beim Einkaufen in diversen Geschaeften wurde ich manchmal, wenn ich besonders exotische Dinge erwarb, danach gefragt, wo es denn hingehen sollte. “Kazakhstan, Bergtour” lautete dann fuer gewoehnlich meine Antwort um langwierige Frage-Antwort Spielchen zu vermeiden. Kazakhstan im uebrigen ist ein sehr schoenes Land wie ich aus Erzaehlungen gehoert habe. Es gibt dort massig unberuehrte Natur und traumhafte Skigebiete. Nicht, dass es in der “A-Zone” keine Berge geben wuerde - das Spektrum reicht immerhin von 900 - 7500 Meter ungefaehr - doch in den Bergen trifft man nur komplett krasse Gestalten, die eher an die Sandleute aus Krieg der Sterne erinnern.
Und so fuhr ich in meinem tollen, von Sixt extra wegen der Lokfuehrerstreiks ueberteuerten, Golf von Bochum nach Muenster, mit stark wehmuetigem Gefuehl und keiner grossen Lust, ueberhaupt auch nur meine Sachen packen zu wollen. Lieber noch eine Woche laenger hier, der Herbst - und nicht nur der - ist so schoen…

Doch die Sachen wollten wohl gepackt werden, anders kann ich mir nicht erklaeren, dass es bis um etwa 3 Uhr Montags frueh gedauert hat, bis die Koffer fertig waren. Schnell noch 2 Stunden Schlaf geholt und dann ging es auch schon ab in Richtung Duesseldorf.
So ein Navigationssystem an sich ist ja etwas tolles, doch Montagsmorgens im Ruhrgebiet faengt es schon ab 7 Uhr an, verrueckt zu spielen. Ploetzlich fand ich mich in diversen Einbahnstrassen in Gelsenkirchen wieder und mir wurde nicht richtig klar, warum mich das Teil ausgerechnet in eine Baustelle einleitete, die dann sehr aufwaendig zu umfahren war. Nun denn, obligatorisch wurde noch der Tank gefuellt und mir wurde bewusst, dass Ratingen nicht besonders Reich an Tankstellen ist…
Quasi auf dem letzten Druecker kam ich am Flughafen an und versuchte, meine Fahrmaschine moeglichst schnell loszuwerden, was dann auch erstaunlich reibungslos funktionierte.

Nun stand ich da, mit meinen 45kg Gepaeck obwohl lediglich 25kg erlaubt waren - einfach mal schauen, was passiert. Die freundliche Dame am British Airways Schalter schien von meinem Schicksal Afghanistan jedoch insoweit beeinflusst worden zu sein, dass ich lediglich 2kg aus dem grossen in den kleinen Koffer umraeumen musste. Mit Buechern laesst sich so ein Ausgleich beinahe so schnell herstellen als wuerde man Wasser umpumpen - was unter den gegebenen Umstaenden und der hinter mir aufgebauten Schlange sicherlich zu erstaunten Blicken gefuehrt haette. Dann passte Alles! 30kg fuer Koffer 1 und Koffer 2 wurde als Handgepaeck gar nicht erst gewogen. Und kein Uebergepaeckzuschlag, welch Wunder. Und: die Anzeigetafel zeigte eine leichte Verspaetung fuer BA 973 an, die ich gut mit einem Kaffee und einem Baguette fuellen konnte. Die vorher aufgebaute Nervositaet war nun verklungen und ich war frisch und bereit fuer den Trip, der mich zunaechst nach London fuehren sollte. In der Abfertigungshalle traf ich dann - was fuer ein Zufall! - noch einen der Capoeirameister die auf dem letzten Wochenende in Bochum gewesen sind, er kam aus Singapur und hatte einen aehnlichen Weg vor sich wie auch ich.

Sehr schoen ist ja, das BA seine Flieger mit Ledersitzen ausstattet, so fuehlt man sich direkt nicht mehr wie ein Tourist auch wenn man zum Ballermann Zentralasiens unterwegs ist. Es gab Muesliriegel und Kaffe sowie einen wunderschoenen Ausblick auf die Wetterlage, welche ab dem Aermelkanal ueberraschenderweise deutlich besser wurde, da Deutschland unter einer fetten Wolkendecke begraben lag. So konnte ich meinem Heimatland nicht einmal eine Traene nachweinen, weil ich es gar nicht erst sehen konnte ;-)

Der Flughafen in London wurde dann nach etwa einer Stunde erreicht, mit einer absolut perfekten Landung die ich sehr zu schaetzen wusste. Ansonsten ist Heathrow das Chaos in sehr britischer Ausfuehrung. Man wird z.B. freundlich darauf hingewiesen, dass Poebeln, Gewalt und ueble Beschimpfungen nicht toleriert werden und man dafuer vom Flug ausgeschlossen werden kann. Nun, also immerhin beinahe Stadionatmosphaere hier! Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Briten deutlich unaufgeregter und eleganter draengeln als wir Deutschen es mit unserem Geschiebe je koennten. Zwar ist eine gewisse Haerte gerade kurz vor den Schlangen stets zu spueren, doch beruehrt wird nie, dazu ist man dann noch zu sehr Kingdom. Es geht dadurch auch alles sehr zuegig und angenehm vonstatten. Man wird nicht missmutig angesprochen, sondern immer sehr Respektvoll und Geduldig auf ein hoeheres Tempo hingewiesen, wenn man sich die Schuhe ausziehen muss, den Laptop aus Koffer 2 nehmen muss und Koffer 1 oeffnen muss, weil sich darin Mineralstofftabletten befinden die, wie die Sicherheitsleute meinen, erklaerungsbeduerftige Produkte sind.

Doch auch diese Huerde ist geschafft und ich darf eine weitere britische Einrichtung in Heathrow geniessen, das “Flight Connection Center” in welchem man von der einen Seite des Flughafens auf die andere Seite - in meinem Fall die “Victor-Zone” - gelenkt wird. Oh, wie ich es hasse! Auch im 21. Jahrhundert funktioniert dies mit Omnibussen, welche fleissig zwischen den Terminals verkehren, die stark im Umbau ihrer selbst begriffen sind. Man kann nicht eindeutig erkennen, ob aeussere Einfluesse wirken oder sich die Gegend in einer Art Metamorphose den Gegebenheiten einfach anpasst. Die Victor-Zone jedenfalls war eine wohl neu entstandene Zone, mit welcher sich der Hafen weiter in die Umgebung ausbreitete. Aus diesem Grund ging es zunaechst in eine vollkommen normal wirkende Halle, die einzelnen Flugsteige hatten allerdings grosse Aehnlichkeit mit einer U-Bahn. Dies ist das Terminal 4, die V-Zone liegt dahinter und ist nur ueber ein Geflecht aus industriell wirkenden Tunnels zu erreichen. Letzter Aufruf - Nun aber schnell! Zuegig eingecheckt ging es die Treppe herunter, dann durch den Notausgang wieder in einen Bus, der diesmal direkt aufs Flugfeld zu unserer grossen, liebevoll “Triple-7″ genannten, Maschine brachte. Ordentlich Power hatte sie jedenfalls und ich haette ein paar schoene Blicke ueber dem wolkenlosen London erhaschen koennen, wenn ich nicht ausgerechnet in der Mitte gesessen haette. Es folgten sieben Stunden Flug, in der nichts spannenderes als ein paar Filme mein Blickfeld kreuzten. Immerhin weiss ich nun, was moeglicherweise geschieht wenn sich Menschen zu lange in unmittelbarer Naehe der Sonne in einem Raumschiff aufhalten - sie werden einfach bescheuert. Nicht lange ueber diese fuer mich wenig bahnbrechende Erkenntnis nachdenkend, schlafe ich auch schon ein.

Die Landung in Dubai dann, ebenfalls unaufgeregt, exakt und ruhig. Einem sehr zuegigen Aussteigen folgte eine sehr langwierige Passkontrolle, zu der man sich in Reihen aufstellen musste. Und es gibt derer viele, denn Dubai ist ein wirklicher Grossflughafen. Scheichartige Gestalten sitzen hinter den Schaltern, offensichtlich Behoerdenangestellte. Die Abfertigung selbst ist zuegig, nur zwei Stempel und eine von Hand geschriebene Nummer im Pass. Es ist 0:30 Ortszeit, normale Menschen schlafen schon, in Deutschland schaut man gerade Montagsfilme oder die Serie nach acht.
Ich hingegen versuche, mir die Zeit ein wenig zu vertreiben, schliesslich sind es noch ca. 7 Stunden bis zum Weiterflug in die schoenste Stadt der Welt. Also erst einmal den lokalen Duty-Free Shop checken, ob der nicht was brauchbares im Angebot hat. Doch wie ueberall: ein Haufen Alk, Zichten, Elektronikzeugs. Nichts nutzbringendes dabei, z.B. eine deutsche Tageszeitung oder Bi-Fi. Immerhin, eine halbe Stunde totgeschlagen.
Nun geht es hinaus ins Gewuehl, den Zoll passiere ich diesmal unbehelligt und muss keine Erklaerungen zu meinen Mineralstofftabletten abgeben. Erst kommt der spassige Teil: ich liebe Laufbaender, man ist so viel schneller als einfach nur zu Fuss und bekommt ein erhabenes Gefuehl, waehrend man die Welt durchquert. In der Ausgangshalle angekommen, ist alles voll von Menschen, die Hotelzimmer, Taxis oder sonstiges feilbieten oder gar mit Namensschildern weniger bekannter Persoenlichkeiten fuer arabia-Tours in der Luft wedeln. Ich prangere dies kurz und unauffaellig an und bewege mich auf Umwegen in mein Lieblings-Abhaeng-Cafe mit Raucherraum, welches man allerdings nur erreichen kann wenn man den Flughafen erst verlaesst und dann durch eine Tuere wieder betritt auf der steht “For Staff Only”. Offensichtlich stoert’s keinen. Weitere drei Stunden verbringe ich in diesem Cafe, bis ich des Cafes satt bin und Lust auf ein Taxi zu Terminal 2 verspuere. Nie zu lange an einem Ort bleiben, dass faellt nur auf, auch wenn ich bloss nach Kazakhstan zu einer Bergtour moechte. Schliesslich muss ich mich schon jetzt auf das Umfeld, welches mich erwartet, vorbereiten.

Im schnellen Taxi geht es dann zum “T2″, dem Terminal, in dem Afghanistan-, Irak- und Condor-Pauschalreisende abgefertigt werden. Schon beim Eintreffen eine unglaubliche Freakshow, auf die ich mir erst einmal eine Zigarette nehmen muss um einen halbwegs ruhigen Eindruck zu hinterlassen. Ein ungeheures Gewuehl von Afghanen in der Eingangshalle, wie eine Gang von Hooligans haben sie sich alle gleich gekleidet und fuehren wie ueblich Fleischtoepfe, andere Topfe, Mikrowellen, Radios und Teppiche mit sich. Dazu noch riesige Buendel mit unklarem Inhalt den ich auch bei heimlichem Blick auf den Roentgenschirm der Flugsicherheit nie entraetseln konnte.
Doch erstmal hiess es warten, ab und an eine Zigarette rauchen und einen Kaffee schluerfen, damit man nicht seltsam einnickt und mit nichts an wieder aufwacht. Denn “T2″ vermittelt nicht unbedingt den sichersten Eindruck. Schliesslich wurde fuer meinen Flug, RQ 006 mit Kam Air nach Kabul, eingecheckt, es ist 05:30h in der Frueh. Ich war etwa in der Mitte der Reihe, hinter der afghanischen Punkkolonne, die mit Mikrowellen und Radiorecordern unterwegs war. Es wurde an vier Schaltern gleichzeitig eingecheckt, doch Personal war nur fuer einen vorhanden weswegen es nur scheinbar schneller ging. Diesmal wurde nicht einmal auf das Gewicht geachtet, wie ueblich bei Fluegen nach Kabul.

Dann hinein zum Gate und wieder: warten. Auch der hiesige Duty-Free Shop hatte kein besseres Angebot, davon abgesehen das ich eh nichts mehr in meine Taschen hineinbekam. Immerhin kann man sich dort auf der Toilette vorzueglich rasieren und die Zaehne putzen was nach einer Nacht im Terminal Dubai durchaus angemessen ist.

Ueber den Rest der Zeit weiss ich nicht mehr soviel, nur, dass es irgendwann losging zum Flieger, wieder mit dem Bus. Diesmal zu einer 767, dem ganzen Stolz der Kam Air Flotte - zu Recht, denn das Teil ist relativ neu. Die ersten Sonnenstrahlen erleuchteten kurz den Burj-Dubai, mit angepeilten 700m hoeher als alles andere auf der Welt.

Der Flug war relativ entspannt und ruhig, unter uns wurde die Landschaft langsam huegeliger, dann bergiger. Ab und zu aufsteigender weisser Rauch, der langsam entgegen der Windrichtung davonzog. Schliesslich das Bergland von Kabul, fuer mich schon relativ typisch erkennbar. Langsam wurde abgebremst und der Anflug in Schleifen eingeleitet. Sehr langsam und weich glitt der Vogel tief ueber den Auslaeufern von Kabul aus Richtung Jalalabad kommend dahin…ich konnte bereits die mir bekannte Jalalabad-Road, das KMTC sowie ISAF-HQ erkennen, also war die Landung nicht sehr fern. Ohne rucken sank die Maschine auf der Landebahn nieder und in immer langsamer werdender Geschwindigkeit konnte ich meine erste Baustelle dort, das Joint Aviation Facility, bereits erkennen. Wie sehr sich alles innerhalb der letzten 12 Monate dort veraendert hatte! Flugfeld neben Flugfeld reihte sich nun, wo vormals nichts gewesen ist. Schon faszinierend, es aus dieser Perspektive zu sehen und zu verfolgen.

Doch zunaechst war Rollen zum Terminal angesagt. Diesmal auf Umwegen, weil einige Bahnen aufgrund Umbautaetigkeiten geschlossen sind. Selbstverstaendlich standen all die Afghanen unter uns direkt auf und wollten aussteigen, ebenfalls ein vollkommen alltaeglicher Vorgang. Doch der Flieger wartete bloss auf Erlaubnis, die Landebahn queren zu duerfen. Deswegen war nach ein paar Minuten wieder hinsetzen angesagt. Tja, Pech gehabt. Doch auch das Rollen hatte irgendwann ein Ende und es wurde ausgestiegen. Natuerlich auf typisch afghanische Art und Weise mit viel Gedraenge und Geschiebe, da jeder der Erste sein will. unten auf dem Flugfeld dann Rudelbildung, weil auf die Busse zum terminal gewartet werden musste. Einige Unerschrockene traten denn auch den Weg zu Fuss an, weil sie nicht warten wollten, woraufhin die Polizei einschritt und sie zurueck zum Flieger trieb.

Innendrin dann Passkontrolle, erstaunlich schnell und professionell ging es zur Sache. Die Gepaeckabfertigung: wie gewohnt schlecht, auch wenn nun ein neues Laufband da war wurden mehrere Flieger gleichzeitig entladen und dementsprechend gab es wieder Gedraenge. Mir war bloss wichtig, dass die extra eingepackte Flasche Whisky noch unversehrt geblieben ist. Danach wurde ich dann zum Glueck von Habib erwartet, ich hatte mit Schlimmerem gerechnet - dem afghanischen Pendant zu Dumm und Duemmer - doch Habib war eine angenehme Ueberraschung, er hat einige Jahre als Fahrer und Uebersetzer fuer das THW gearbeitet. Das Wetter war schoen, nur die Luft gewohnt schmutzig.

Nach der langen Reise entsprechend muede, fiel ich denn auch in der schoenen Villa in Wazir-Akbar-Khan ins Bett und wachte erst am naechsten Morgen wieder auf…

Und da fing das zweite Abenteuer an: der Flug nach Herat. Es war ein wenig schwierig an ein Ticket zu kommen, doch Ariana hatte noch eins. Sie haben immer welche, weil kein Mensch mit ihnen fliegen mag. Diesmal flog ich nicht allein: Ahad, unser Vorarbeiter der ein wenig krank in der Birne ist, kam ebenfalls mit. Nun, zumindest hatte ich dadurch sicherheitstechnisch nicht viel zu fuerchten, da ihm ein recht kaempferischer Ruf vorauseilt und die meisten Menschen aufgrund seines leicht besessenen Blickes schon einen respektvollen Abstand einhalten.
Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis der Flieger kam. In Form einer 40 Jahre alten Antonow Propellermaschine kam er dann. Das Einsteigen war ziemlich unkompliziert und einfach, keine Treppen, kaum Kontrollen. In der Reihe vor uns ein paar Polizisten, die einen Strafgefangenen begleiteten. Erstaunlich, wie oeffentlich hier alles abgewickelt wird. Polizist und Gefangener haben sich uebrigens den gesamten Flug lang gut unterhalten, als waeren sie befreundet. Dies ist ebenfalls sehr typisch, weil sich alle ueber weniger als 2 Ecken kennen und miteinander verwandt sind. Da derartige Situationen dann durchaus kompliziert werden koennen, ist jeder Afghane gleichzeitig Krieger, Politiker und Philosoph. In langwierigen Gespraechen koennen so auch komplexe Situationen ohne Gesichtsverlust fuer jemanden zwar nicht geloest, doch immerhin verstaendnisvoll entschaerft werden damit alle mit einem guten Gefuehl aus der Sache herausgehen, selbst wenn es in den Knast geht.

Der Flug war ueberraschend weich, die Landung ebenfalls sehr angenehm. Viel besser als mit den Jets, wenn es auch ein wenig laenger gedauert hat.

So, damit waere ich nun auch wieder in Herat. Es wird langsam Winter, doch der dauert hoffentlich nicht allzulange.

Sicherheitslage Mai 2007

Alexander am 22. Mai 2007 um 05:09

Seit dem Fruehling ist die Sicherheitslage in Gesamt-Afghanistan wiederum ein wenig schlechter geworden. Dies liegt zum Einen am besseren Wetter und zum anderen an der nach wie vor ernstzunehmenden Staerke der Taliban in den suedlichen Provinzen.

Den NATO Truppen sind einige empfindliche Schlaege gegen die Taliban gelungen, doch noch immer besteht die Gefahr unkontrollierter Terroranschlaege im ganzen Land. Die Sicherheitskontrollen sind zwar verschaerft worden, es ist jedoch wirklich notwendig an die eigene Sicherheit ebenfalls zu denken, indem man zum Beispiel keine regelmaessigen Schemen in seinen Bewegungen durch die Gegend etabliert. Geschaefte sollten deswegen nur zufaellig angefahren werden, dass Gleiche gilt fuer Meetings und weitere Dinge. Auch Fahrzeuge sollten nicht allzu auffaellig sein, um eine direkte Erkennung als Auslaender zu vermeiden. Dies ist ein Vorteil, den wir gegenueber der Armee und den zahlreichen Hilfsorganisationen geniessen. So werden wir oft selbst angehalten, weil unser Wagen auf Bomben durchsucht wird.

Ich persoenlich bekommen von alledem nicht allzuviel mit, lediglich die Nachrichten bieten eine Informationsquelle. Ab und zu hoert man etwas, generell jedoch fast ausschliesslich aus Kandahar.

Hier in Herat und Kabul ist die Situation nach wie vor sehr stabil und weit davon entfernt, ausser Kontrolle zu geraten. Nicht zuletzt die starke ISAF und Polizeipraesenz traegt ihren Teil dazu bei, doch auch die Menschen sind kriegsmuede und wollen einfach nicht mehr. Einen starken Rueckhalt in der Stadtbevoelkerung scheinen die Extremisten demzufolge nicht zu haben.

Sie sind eher eine Armee der Verzweifelten und Vergessenen, haeufig arme und aermste Familienvaeter, die wenigstens ein bisschen benoetigen, um ihre Familien ueber die Runden zu bekommen. Diese Perspektive geben ihnen die Taliban, indem sie oft auf erpresserischem Weg die Ehre der Frauen und Maenner bedrohen, was hier tiefste Bedeutung hat und oft schlimmer ist, als zu sterben. Ein Mann, der seine Ehre verloren hat, gilt hier nichts mehr.

Es wird wohl noch eine geraume Weile dauern, bis sich eine Besserung einstellt. Vor allem wird dies auch eine politische Entscheidung sein muessen, da eine Aenderung in den Koepfen sowie eine Verbesserung der Lebensumstaende und vor allem der Bildung von entscheidender Bedeutung fuer die positive Veraenderung der Lage sein werden.

Bedeutsam ist, dass sobald die Menschen hier eine Ausbildung haben und eine halbwegs gefestigte Position einnehmen, ihr Interesse and radikalen Akten nachlaesst. Niemand sollte deswegen soweit gehen und die Vorgaenge hier in einem tieferen Zusammenhang mit dem allseits mystifizierten Terrornetzwerk “Al-Qaeda” (die Basis oder Datenbank) sehen. Die meisten der Opfer sind naemlich keine “Unglaeubigen” sondern Afghanen. Dies wird auch dadurch deutlich, dass auslaendische Geiseln beispielsweise sehr oft freigelassen werden.

Auch hin und wieder auftrende Morde sollten nicht zwingend mit den anderen Geschehnissen in Verbindung gebracht werden, es koennen ganz andere, kleinere Konflikte Ursache gewesen sein. Dieses Land war schon immer wild und die Menschen moegen nunmal den Kampf.

Der zweite Turn…

Alexander am 4. Mai 2007 um 19:11

So, nun bin ich insgesamt etwa 8 Monate im Land und muss sagen, dass es sehr schwierig war, das zweite Mal herzukommen. Das erste halbe Jahr war alles Neu, doch nach dem Urlaub kommt man her und weiss schon recht genau was einen erwartet…

Qatar Airways kann ich insgesamt eigentlich uneingeschraenkt empfehlen. Der Flug war so angenehm dass ich am liebsten gar nicht mehr aus dem Flieger ausgestiegen waere. Sie haben nur die neusten Airbus 330 Modelle, kombiniert mit einem Unterhaltungsprogramm aus 82 Filmen und vielem mehr. Vor allem auch die Bordverpflegung ist nicht zu verachten.

Der 2. Flug war natuerlich mal wieder Spitze, mit Ariana von Dubai nach Kabul. Nur fuenf Stunden Verspaetung dieses Mal! Ich gluecklicher!! Der Stress fing schon am Abfertigungsschalter in Dubai an. Neben uns checkten ein paar Urlaubsheimkehrer fuer einen Flug mit Condor nach Frankfurt ein und schauten die ganze Zeit nur seltsam herueber. Lustig war, dass sie von Krisengebietsfliegern eingekreist waren, denn links von Ihnen ging es fuer ein paar arme Seelen gerade nach Baghdad…ich moechte ja mal wissen wieviel der Condorflug kostet, denn von Terminal 2 in Dubai fliegen nicht gerade die exquisitesten Gesellschaften ab.

Nun, zumindest hat der Pilot in Kabul diesmal die Landebahn direkt gefunden, was beim Hinflug nach Dubai nicht unbedingt so gesagt werden kann. Aber da war es ja auch dunkel, deswegen muss man das vielleicht entschuldigen.

Kabul! Mein Herz weitete sich zu einem saftigen Steak. Stadt der Staedte…nur in einem eher umgekehrten Sinn als wie man es an fuer sich meinen wuerde. Immerhin war es warm und sonnig, ein Vorteil. Auch sonst leider alles beim Alten, bis auf das mit der Waerme auch die Staubsaison wieder begonnen hat.

Am Flughafen war der erste Kampf die Abholung des Gepaecks. Man muss sich das so vorstellen: in einem etwa 100m2 grossen Raum stehen etwa 60 Menschen um ein Gepaeckband herum. Auf dieses werden von Aussen per Hand die Gepaeckstuecke aufgeladen. Natuerlich alles im Rahmen einer laufenden Baustelle, denn der Flughafen wird zur Zeit auch noch renoviert und entsprechende Arbeiter hingen an den Waenden und verspruehten einen leicht farbigen Charme. Das absolute Chaos! Dazu muss man sich nun auch mit einer Art Schuelerausweis beim Innenministerium registrieren. Die entsprechenden Papiere werden auf einem mitten in der Halle stehenden Tisch gestapelt und ich weiss nicht zu sagen, wer diese sich je ansehen wird. Das Foto habe ich uebrigens noch immer nicht eingeklebt.