Bauen in Afghanistan II - Erdarbeiten

Alexander am 4. Mai 2007 um 16:04

Was die Afghanen wirklich gut koennen, sind Erd- und Abbrucharbeiten. Darin sind sie vielleicht sogar Spitze. Baggerschaufeln bewegen sich in wahnsinnig hoher Geschwindigkeit und – zack! – ist die Baugrube geschaffen. Sie haben in der Regel auch keine Angst davor, dass etwas passieren kann und nutzen die Maschinen bis an die Grenze der Belastung aus. In Europa wuerde sich so etwas kaum jemand trauen. Seltsamerweise passiert nie etwas bei dieser Art von Arbeit – keine Unfaelle, keine grossartigen Betriebsstoerungen. Ab und zu platzt mal ein Reifen oder eine Hydraulikleitung gibt aus Altersgruenden den Geist auf, doch das war’s.

Auch im Nivellieren sind sie gut, da aber jeder der Nivellieren kann schon als Ingenieur gilt, herrscht haeufig ein reger Andrang an den entsprechenden Instrumenten. Dies ist uebrigens auch einer der wenigen Gruende fuer Messfehler, da jeder seine eigene „Philosophie“ des Nivellierens verfolgt. Hier ist Steuerung von Aussen notwendig und eine Reduzierung des authorisierten Personals wirkt oft Wunder.

In jedem Fall gilt, dass waehrend des Feinnivellements in stuendlichen Abstaenden kontrolliert werden sollte, sonst muss man wieder eingebrachten Boden abtragen und verliert wertvolle Zeit.

Zu bemerken ist, dass saemtliche Erdarbeiten mit teilweise einfachstem Equipment durchgefuehrt werden. Baggersteuerungen, wie sie z.B. in Europa ueblich sind, gibt es hier nicht bzw. sie muessten erst umstaendlich importiert werden. Ist also alles reine Handarbeit.

Die Bodenverhaeltnisse vor Ort sind haeufig nicht besonders gut. So muessen aus Gruenden der Sicherheit saemtliche fuer eine Bautaetigkeit festgelegten Flaechen von Kampfmitteln bis zu einer Tiefe von etwa 1.50m geraeumt werden. Die Funde, welche dabei zutage treten, sind oft sehr umfangreich und man moechte einfach nicht waehrend der Baggerarbeiten auf eine Granate oder aehnliches Stossen. Dies ist hier im Lande allerdings sehr gut organisiert und es gibt einige wirklich exzellente Firmen, die diese Arbeit mit Hilfe von Schaeferhunden und Spuergeraeten schnell und genau erledigen.

Bauen in Afghanistan I - Allgemeines

Alexander am 4. Mai 2007 um 16:03

Bauen in Afghanistan ist ein Abenteuer fuer sich. Man hat es mit widrigen Witterungsbedingungen, oft ungeklaerten Nutzungsrechten und Gesetzen sowie Eigentumsverhaeltnissen, schlecht bis gar nicht ausgebildetem Personal und altem, in Europa ausrangiertem, Equipment zu tun.

Hinzu kommt oftmals, dass die Planungsunterlagen unzureichend sind sowie die Vorarbeiter der einzelnen Gewerke haeufig nicht lesen und schreiben koennen, geschweige denn Plaene lesen.

Dies zusammen genommen verlangt einem schon so einiges ab. Im Gegensatz zu Europa, wo es ein Uebermass an Fachkraeften gibt, liegt hier die meiste Arbeit in wenigen Personen konzentriert. Ist man nicht in der Lage, verschiedene Aufgaben auf der Baustelle uebernehmen zu koennen, so wird man voraussichtlich keinen oder nur sehr geringen Erfolg und Fortschritt verzeichnen koennen.

Meine Aufgabengebiete beispielsweise fangen in der Planung an, gehen ueber die Vermessung, Ausfuehrungsueberwachung, SiGeKo, Aenderungsverfolgung, staendige Qualitaetskontrolle, Spezifizierung der Einzelprozesse, Dokumentation, Verhandlungsgespraeche, Abrechnung, Nachtragsmanagement, Zeit-, Personal-, Maschinen- und Materialplanung, bis hin zu Auftragsquisition. In allen Dingen bin ich allerdings nicht nur steuernd sondern in erster Linie auch ausfuehrend taetig.

Liegt die Kontrolle nicht in der Hand einiger weniger Personen, so kann alles moegliche passieren, was nicht zuletzt am schlechten Ausbildungsstand des Personals hier liegt. Es gibt natuerlich auch gute Ingenieure vor Ort, doch diese haben meist ein aehnliches Aufgabenspektrum und sind an eigenen Projekten beschaeftigt.

Im Allgemeinen bestehen deutliche Unterschiede zum „europaeischen“ Stil, dennoch ist auch hier eine gute Qualitaet der Ausfuehrung moeglich. Dies bedingt allerdings eine staendige Ueberwachung und Kontrolle gemaess dem Motto „Alles, das schief gehen kann, geht auch schief.“

Hier erlebt man als Bauleiter Dinge, die man sich zu Beginn nicht einmal vorstellen kann. Staendig passiert das…

Weihnachten & Neujahr

Alexander am 30. Dezember 2006 um 12:08

Ja, Ihr Lieben Leute, Weihnachten und Neujahr gibt es hier auch, allerdings ein wenig anders als daheim. Weihnachten haben wir hier “europaeisch” gefeiert, also mit chinesischen Plastikbaeumen, Schnee und Heineken-Bier.

Neujahr kommt noch, doch es ist auch fuer die Afghanen ein grosses Fest. Werden wahrscheinlich ein wenig essen und trinken, mehr nicht. Die usbekische Firma, die wir hier kennen, feiert schon seit gestern und wahrscheinlich non-stop drei Tage lang. Moechte ja nicht wissen, was da wieder so alles passiert. Ist auf jeden Fall immer recht wild, was diese Leute veranstalten. Eine Punk-Party in Deutschland kann man getrost als mueden Abklatsch davon bezeichnen.

Zum Glueck haben wir heute etwas Bier organisieren koennen, was auch schon ein etwa 1-stuendiges Abenteuer gewesen ist. Dafuer weiss man es dann umso mehr zu schaetzen.

Momentan sind alle Leute ein wenig im Urlaub, deswegen haben wir auch keinen Fahrer und ich muss selbst ans Steuer. Gewoehnungsbeduerftig, kann ich nur sagen. Andauernd Polizeikontrollen, doch mittlerweile kennen mich die Poli’s an den wichtigsten Punkten, deswegen fallen die Checks nur kurz aus. Eigentlich sind sie bloss auf der Suche nach Bomben, deswegen hat man’s als Europaeer relativ einfach.

Ansonsten liegt hier immer noch etwa ein halber Meter Schnee und die Strassen sind noch schwieriger zu fahren als es ohnehin schon der Fall ist. Rutschpartien par excellence!

In diesem Sinne: ein gesegnetes Neues Jahr und alles Gute nach Deutschland!